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Wie gefährlich sind Feuersalamander?

29. Oktober 2026 Von derStandard.at

Es sollte ein schöner Waldspaziergang werden, doch für einen jungen Hund endete der Ausflug tödlich. Der einjährige English Springer Spaniel hatte im Burgenland im Laub geschnüffelt und war dabei offenbar einem Feuersalamander begegnet. Wenig später begann der Hund zu krampfen. Innerhalb einer Viertelstunde war er tot. Eine Obduktion bestätigte laut einem Bericht der "Kronen Zeitung", dass das Gift des Salamanders für den Tod verantwortlich war.

Der Vorfall wirft eine Frage auf, die sich wohl viele Menschen beim Anblick der hübschen, auffällig schwarz-gelb gefärbten Amphibien noch nie gestellt haben: Wie gefährlich sind Feuersalamander eigentlich – für Menschen und ihre Haustiere?

Potente Alkaloide

"Für kleine Hunde kann das schon problematisch sein", sagt der Tierarzt und Gifttierexperte Nils Kley im Gespräch mit dem STANDARD. Wie gefährlich eine Begegnung werden kann, hänge vor allem von der Größe des Hundes ab: "Für einen kleinen Chihuahua natürlich eher als für eine große Dogge."

Der Feuersalamander zählt zu den wenigen heimischen Wirbeltieren, die sich mit Gift gegen Angreifer verteidigen können. In speziellen Hautdrüsen, die sich besonders auffällig hinter den Augen befinden, produziert er ein giftiges Sekret. Bei Bedrohung kann er es absondern und auch einige Zentimeter weit verspritzen.

Das Sekret enthält eine ganze Gruppe sogenannter Salamander-Alkaloide. Einer der bekanntesten Wirkstoffe ist Samandarin, ein starkes Nervengift. Die Toxine können unter anderem Krämpfe und Störungen der Atmung auslösen. Gefährlich wird es, wenn ein Hund einen Salamander ins Maul nimmt oder hineinbeißt und dadurch mit größeren Giftmengen in Kontakt kommt.

Kinder fernhalten

Auch Menschen können sich grundsätzlich vergiften, das komme aber nicht häufig vor, sagt Kley. "Beim Menschen kann es passieren, dass man Atemnot oder Herzprobleme bekommt, aber das ist selten der Fall." Bei gewöhnlichem Hautkontakt mit einem einzelnen Tier sei das Risiko einer schweren Vergiftung gering. Dennoch sollte man die Tiere keinesfalls unbedacht anfassen und insbesondere kleine Kinder von ihnen fernhalten, sagt der Experte.

Dass Feuersalamander giftig sind, machen sie potenziellen Angreifern bereits durch ihr Äußeres deutlich. Ihre leuchtend gelben Flecken und Streifen auf schwarzem Untergrund sind ein klassisches Beispiel für eine Warnfärbung, in der Biologie als Aposematismus bezeichnet. "Die Natur ist bei so was eigentlich super fair", sagt Kley. "Der Feuersalamander signalisiert mit seiner auffälligen Färbung unmissverständlich: Lass die Finger von mir."

Wie auch andere heimische Gifttiere sind die gelb-schwarzen Salamander keineswegs angriffslustig. Sie setzen ihr Gift zur Verteidigung ein. "Der Salamander möchte sein Gift nicht verschwenden, daher warnt er uns farblich, dass er in Ruhe gelassen werden möchte", betont Kley.

Beschädigte Hautbarriere

Genau das empfiehlt der Experte auch. Dabei gehe es aber weniger um die eigene Sicherheit als um den Schutz der Amphibien. Feuersalamander besitzen wie Frösche, Kröten oder Molche eine empfindliche, von Schleim bedeckte Haut. Die Schleimschicht schützt sie unter anderem vor Krankheitserregern. Wer ein solches Tier mit trockenen Händen anfasst, kann diese wichtige Schutzschicht beschädigen.

"Da sind die Finger wie Schmirgelpapier", erklärt Kley. Deshalb sollten Amphibien generell nie mit bloßen Händen berührt werden. Muss ein Salamander etwa von einer Straße gerettet werden, sollte man ihn möglichst berührungsfrei in ein geeignetes Gefäß befördern oder angefeuchtete Einweghandschuhe verwenden. Hunde sollten bei Begegnungen mit den Tieren unbedingt ferngehalten werden.

Gefährlicher Pilz

Bedroht sind aber vor allem die Feuersalamander selbst. Die Tiere leiden unter dem Verlust geeigneter Lebensräume, Umweltbelastungen und dem Straßenverkehr. Hinzu kommt eine besonders gefährliche Pilzerkrankung, die sich seit Jahren in Europa ausbreitet: der Erreger Batrachochytrium salamandrivorans. Er befällt die Haut der Amphibien und kann ganze Bestände auslöschen. In einigen europäischen Ländern hat die Krankheit bereits verheerende Folgen. In Österreich wurde der Pilz bisher nicht nachgewiesen, doch die Sorge vor seiner Einschleppung ist groß.

Umso wichtiger sei der Schutz der heimischen Populationen, sagt Kley. Gesunde Bestände der auffälligen Amphibien seien auch ein gutes Zeichen für den Zustand ihrer Lebensräume. Wer einem der Tiere begegnet, sollte sich deshalb am besten einfach über den Anblick freuen, sagt Kley. Und Abstand halten. (David Rennert, 29.10.2026)